Vorsicht Wasser

Pressemitteilung vom 07. März 2011
Eric Heinz (r.) arbeitet mit anschaulichen Vorführungen


Den Anspruch eines Physikunterrichts hatte Eric Heinz natürlich nicht im Sinn, als er seinen jungen Zuschauern das Thema „Brennen und Löschen“ mit praktischen Beispielen näher brachte. Klar, dass die Mitglieder der Jugendfeuerwehr schon „von Berufs wegen“ mit Feuer und Flamme bei der Sache waren. Ganz nebenbei erfuhr der Nachwuchs, dass die Feuerwehr alle Stoffe in Brandklassen einteilt, um im Brandfall die richtige Auswahl der Löschmittel treffen zu können. Die festen Stoffe wie z. B. Holz, Kohle, Papier, Stroh, Heu, Kleider, Kunststoffe usw. versammeln sich alle in der Brandklasse A. Dagegen nimmt die Brandklasse B die flüssigen und C die gasförmigen Stoffe auf. Brandklasse D ist den Metallbränden und F den pflanzlichen und tierischen Speiseölen – und fetten vorbehalten. Löschmittel gegen Brände der Klasse A sind Wasser, Schaum oder ABC-Pulver. Die herausragende Bedeutung des Wassers für die Feuerwehr liegt in seiner hohen Verfügbarkeit, weiter kann es über große Strecken gefördert und verteilt werden; es ist ungiftig, nicht ätzend und ist sehr preisgünstig. Die eigentliche Löschwirkung des Wassers liegt in der Abkühlung der Brandstelle, zum kleineren Teil am Ersticken des Feuers. Obwohl Wasser ein fast ideales Löschmittel ist, darf es für bestimmte Brände auf keinen Fall eingesetzt werden. Dazu zählen Metall-, Öl- und Fettbrände, Feuer in Hochspannungsanlagen und auch Schornsteinbrände.

Schornsteinbrände, der letzte war am 26. Februar dieses Jahres in der Kirchstraße, kommen in Verbindung mit Feuerstellen für feste Brennstoffe, z. B. Holz, vor. Durch Funken von der Feuerstelle entzünden sich Kohlenstoffablagerungen, der sogenannte Glanzruß, an den Schornsteininnenwänden. Dabei entstehen Temperaturen bis zu 1500° C, wobei die Flammen meterhoch aus der Kaminmündung schlagen können. Würde man jetzt versuchen, den Brand mit Wasser zu löschen, würde in Sekundenbruchteilen Wasserdampf entstehen (aus 1 Liter Wasser entstehen 1700 Liter Dampf). Da der Schornstein diese plötzliche Volumenzunahme nicht aufnehmen kann, wird der heiße Wasserdampf explosionsartig aus allen Kaminöffnungen austreten. Für alle Beteiligten besteht dann höchste Verbrühungsgefahr. Kann dieser Druck nicht schnellstens abgebaut werden, besteht die Gefahr, dass der Kamin aufreißt und angrenzende Räume in Brand setzt.

Soweit war es jedoch in der Kirchstraße nicht gekommen. Die Einsatzkräfte stellten bei ihrem Eintreffen einen leichten Funkenflug aus dem Schornstein und ein geringfügiges Glimmen im Innern fest. Der Glanzruß im oberen Teil des Schornsteins war zu diesem Zeitpunkt schon ausgebrannt. Nach einer Kontrolle des Schornsteins mit Wärmebildkamera und Spiegel übergab Einsatzleiter Eric Heinz den Kamin in die Obhut des ebenfalls alarmierten Bezirksschornsteinfegermeisters Bernhard Schneider. Eine Brandgefahr bestand für das Gebäude nicht. Schneider reinigte später den abgekühlten Schornstein. Die Feuerwehr war mit 13 Kräften und zwei Fahrzeugen im Einsatz.

Glanzruß sieht aus wie eine Teerschicht. Er entsteht immer dann, wenn bei der Verbrennung von festen Brennstoffen nicht genügend Sauerstoff zugeführt wird. Glanzruß entsteht aber auch, wenn die Feuerstätten mit falschen Brennstoffen betrieben oder als Müllverbrennungsanlagen missbraucht werden. Eine unvollständige Verbrennung kann auch vorliegen, wenn das Brennholz zu feucht ist (mehr als 25 %). Durch die Feuchtigkeit wird dem Feuer sehr viel Energie entzogen, die es zur Verdampfung des Wassers benötigt. Der gleiche Effekt tritt übrigens auch ein, wenn Holz in einem Kokskessel verbrannt wird. Denn der Kokskessel hat einen wassergekühlten Bodenrost, der dem Glutbett sehr viel Wärme entzieht, was wieder zu einer unvollständigen Verbrennung führt.