Bei frostigen Temperaturen waren am letzten Sonntag Aktive der Feuerwehr auf dem Eis des Großkrotzenburger Sees. Doch nicht zum Schlittschuhlaufen, sondern zu einer Eisrettungsübung. Noch bevor die Fahrzeuge zur Praxis auf dem See ausrückten, stellte Klaus Fischer in einer Bildpräsentation das Thema Eisrettung vor. Dabei sprach er über die besonderen Gefahren auf zugefrorenen Gewässern ebenso wie über die verschiedenen Rettungstechniken und die Hilfsmittel, die der Feuerwehr zur Verfügung stehen. Grundsätzlich ist, wenn eine Person im Eis eingebrochen ist, der Rettung vom Ufer aus der Vorzug zu geben. Das kann mit zugeworfenen Leinen oder sogar mit einem Feuerwehrschlauch geschehen, sofern die eingebrochene Person die Rettungsmittel ergreifen kann. Ist das nicht möglich, müssen die Retter – mit Leinen gesichert - auf das Eis. Um eine Punktbelastung auf dem Eis zu vermeiden, müssen sich die Retter kriechend zur Einbruchstelle vorarbeiten. Eine noch bessere Gewichtsverteilung ergibt sich durch die Verwendung von Steckleitern oder der Schleifkorbtrage als Unterlage. Da diese Hilfsmittel jedoch keinen Auftrieb besitzen, ist ein Schlauchboot mit Eisschlitten eventuell besser geeignet. Der Eisschlitten ist eine Kunststoffwanne mit Kufen, die fest mit dem Schlauchboot verbunden ist. Um keine Zeit bei einem Einsatz zu verlieren, wird zu Beginn der Frostperiode der Eisschlitten montiert und das Schlauchboot auf einem Hänger bereitgestellt.
Entscheidend für den Erfolg einer Eisrettung, so Fischer, ist der Faktor Zeit. Deshalb ist zu Beginn einer Rettungsaktion zeitgleich der Rettungsdienst zu alarmieren. Während der Rettungsarbeiten müssen die Einsatzkräfte die körperliche Verfassung der verunfallten Person erkennen, damit Erste Hilfemaßnahmen am Ufer eingeleitet werden können, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Nach soviel Theorie stand jetzt die praktische Umsetzung an. Vor dem Ufer des WSV-Vereinshauses schnitt Steffen Planitz mit der Kettensäge ein Loch in den Eispanzer. Die ausgesägte Eisplatte wurde unter dem Eis zwischengelagert. Dann stiegen Benedikt Bergmann und Thomas Möller, geschützt durch Rettungs- und Überlebensanzüge, in das eiskalte Seewasser. Diese Trockenanzüge mit Kälteschutz und integriertem Auftrieb erlauben einen mehrstündigen Rettungseinsatz auch bei eisigen Wassertemperaturen. Selbstverständlich wurden beide durch Leinen von den Kameraden am Ufer gesichert. Jetzt begann die Rettung der beiden „Eingebrochenen“ unter Anwendung der zuvor in der Theorie gezeigten, verschiedenen Techniken. Die stabile Eisdecke erleichterte den Transport der „Geretteten“ zum Ufer. Nach Ende der Übung wurde die ausgesägte Eisplatte wieder in die Öffnung eingepasst und gesichert. Gerne ließen sich die Feuerwehrkräfte danach zu einem Abschlusstrunk von den WSV-Aktiven einladen.